news-detail

Biotechnologie: Warum der Sektor für Anleger wieder an Bedeutung gewinnt

Biotechnologie ist zurück auf der Investmentagenda: Die Bewertungen haben sich stabilisiert, die Innovationskraft bleibt hoch, und der Bedarf an neuen Therapien wächst strukturell. Alternde Gesellschaften, chronische Erkrankungen und der Innovationsdruck großer Pharmakonzerne prägen das Marktumfeld. Für langfristig orientierte Anleger entsteht daraus eine veränderte Ausgangslage.

Die Biotechnologie hat in den vergangenen Jahren eine ungewöhnliche Gleichzeitigkeit erlebt. An den Kapitalmärkten belasteten höhere Zinsen, geringerer Risikoappetit und schwierigere Finanzierungsbedingungen den Sektor erheblich. Der Nasdaq Biotechnology Index, ein viel beachteter Gradmesser für börsennotierte Biotechnologieunternehmen, lag zeitweise deutlich unter seinem Hoch aus dem Jahr 2021. In denselben Jahren lief die wissenschaftliche Entwicklung jedoch weiter. In Laboren, klinischen Studien und Zulassungsverfahren reiften Therapien, die Krankheiten auf molekularer, zellulärer und genetischer Ebene adressieren. Damit rückt der Sektor für langfristig orientierte Anleger wieder stärker in den Blick.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Genomik. Das Human Genome Project endete 2003 mit Kosten von rund drei Milliarden US-Dollar für die Entschlüsselung eines einzelnen menschlichen Genoms. Heute liegt dieser Wert unter 600 US-Dollar – eine Kostenreduktion um den Faktor fünf Millionen. Krankheiten lassen sich auf dieser Basis genauer charakterisieren, Patientengruppen präziser definieren und Therapien stärker an biologischen Mechanismen ausrichten. Moderne Biotechnologie wiederum arbeitet zunehmend mit sogenannten Multi-Omics-Ansätzen, die mehrere molekulare Ebenen verknüpfen und eine differenziertere Analyse biologischer Zusammenhänge ermöglichen. Für die Arzneimittelentwicklung ist das wesentlich, weil viele Erkrankungen sich therapeutisch nicht mit einem einzelnen Wirkansatz adressieren lassen.

Struktureller Bedarf als langfristiger Anker

„Besonders sichtbar wird dieser Fortschritt beispielsweise in der Onkologie, bei seltenen genetischen Erkrankungen und bei Autoimmunerkrankungen. Präzisere Diagnostik erlaubt es, jene Patienten zu identifizieren, bei denen ein bestimmter Wirkmechanismus mit höherer Wahrscheinlichkeit greift. Klinische Studien können dadurch gezielter angelegt werden, auch wenn das Entwicklungsrisiko hoch bleibt. Für Investoren verschiebt sich damit der Blick von allgemeinen Marktkennzahlen hin zur Qualität einzelner Technologien, Datenpakete und Entwicklungsprogramme“, erklärt Thomas Vorlicky, Geschäftsführer von Medical Strategy, eine auf Biotechnologie spezialisierte Investmentboutique mit Sitz in Gräfelfing bei München und einem verwalteten Vermögen von rund 1,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen investiert seit über 25 Jahren mit wissenschaftlicher Expertise in medizinische Innovationen mit hohem therapeutischem Bedarf und wirtschaftlichem Potenzial. Der selektive Investmentansatz basiert auf der frühzeitigen Identifikation neuartiger Therapieansätze. Ein Alleinstellungsmerkmal ist der wissenschaftsbasierte Investmentprozess: Die Fonds werden maßgeblich von Molekularbiologen und Medizinern gemanagt und zusätzlich durch einen wissenschaftlichen Beirat begleitet.

Ein konkretes Beispiel für den Reifegrad moderner Biotechnologie ist Casgevy. Ende 2023 genehmigte die US-Arzneimittelbehörde FDA erstmals eine Therapie gegen Sichelzellkrankheit, die auf CRISPR/Cas9-basierter Geneditierung beruht. Bereits im November 2023 hatte die britische MHRA Casgevy als erste Behörde weltweit zugelassen; der zuständige EMA-Ausschuss CHMP empfahl die Zulassung im Dezember 2023. Damit hat eine Technologie, die lange vor allem mit Grundlagenforschung verbunden wurde, den Schritt in die regulierte Medizin vollzogen. Von den 44 behandelten Patienten in der zentralen klinischen Studie erreichten 29 von 31 auswertbaren Patienten, also rund 93,5 Prozent, das primäre Wirksamkeitsziel. Für die Biotechnologie ist dieser Zulassungserfolg ein wichtiges Signal, weil Geneditierung klinische und regulatorische Reife erreicht hat.

Der wirtschaftliche Wert von Therapien wächst

Parallel dazu wächst der medizinische Bedarf. Mehr als ein Drittel der Erwachsenen in OECD-Ländern lebt nach aktuellen Daten mit einer chronischen Erkrankung. Krebs, Diabetes, Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen belasten Gesundheitssysteme dauerhaft. Thomas Vorlicky verweist darauf, dass die weltweiten Kosten chronischer Erkrankungen bis 2030 auf 47 Billionen US-Dollar anwachsen könnten. Viele etablierte Therapien kontrollieren Symptome oder verlangsamen Krankheitsverläufe, erreichen aber die biologischen Ursachen nur begrenzt. Biotechnologie setzt genau an dieser Stelle an, indem sie Krankheitsmechanismen identifiziert und therapeutisch nutzbar macht. Für Anleger ist diese Nachfrageseite von besonderer Bedeutung, weil sie auf langfristigen medizinischen und demografischen Faktoren beruht. Je stärker Gesundheitssysteme unter dem Druck chronischer Erkrankungen stünden, desto größer werde laut Thomas Vorlicky der wirtschaftliche Wert von Therapien, die Krankheitsverläufe verändern, Krankenhausaufenthalte reduzieren oder bislang unzureichend behandelte Patientengruppen erreichen könnten.

Auch Pharmakonzerne spielen eine Rolle

Auch große Pharmakonzerne spielen für die Investmententscheidung in dem Segment eine wichtige Rolle. Zwischen 2025 und 2030 verlieren Arzneimittel mit einem Jahresumsatz von schätzungsweise 236 bis über 300 Milliarden US-Dollar ihren Patentschutz, darunter umsatzstarke Blockbuster-Medikamente. Wenn Generika und Biosimilars auf den Markt kommen, können originäre Hersteller im betroffenen Segment erhebliche Marktanteile verlieren. Viele große Pharmaunternehmen sind deshalb auf Kooperationen mit Biotechs angewiesen, um Innovations- und Wachstumslücken zu schließen. „Die Verbindung von Wissenschaft und Kapitalmarkt zeigt sich hier besonders klar. Medizinischer Fortschritt allein genügt nicht, wenn eine Therapie kommerziell kaum umsetzbar ist oder keinen klaren Platz im Behandlungssystem findet. Eine attraktive Markterwartung trägt wenig, wenn die biologische Hypothese schwach ist oder klinische Daten nicht überzeugen. Entscheidend ist das Zusammenspiel, um zu verstehen, wie Krankheiten künftig verstanden und behandelt werden und welche Investitionen sich lohnen können“, sagt Thomas Vorlicky.

Technologie trifft Biologie

Biotechnologie ist heute in hohem Maß datengetrieben. Genomdaten, Proteindaten, Bildgebung und klinische Studien erzeugen große Informationsmengen. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Zielstrukturen zu identifizieren, Moleküle zu entwerfen, Toxizitätsrisiken früher zu erkennen und Studienpopulationen genauer zu definieren, um damit die Produktivität von Forschung und Entwicklung zu verbessern. Während die aktuelle Kapitalmarktdiskussion vor allem die Infrastruktur der KI bewertet, könnte Biotechnologie einer der Bereiche werden, in denen KI messbaren medizinischen und wirtschaftlichen Nutzen entfaltet. Damit verändert sich auch die ökonomische Logik vieler Unternehmen. Moderne Biotechnologie besteht häufig aus technologischen Plattformen – also Grundlagen, aus denen mehrere Therapien entstehen können. Beispiele sind mRNA-Verfahren, Zell- und Gentherapien, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate oder präzisionsonkologische Ansätze. Eine funktionierende Plattform kann mehrere Entwicklungsprogramme hervorbringen. Gelingt der klinische Nachweis in einer Indikation, steigt oft auch die Glaubwürdigkeit verwandter Programme.

Genau hier liegt die Bedeutung eines aktiven, wissenschaftsbasierten Portfoliomanagements. Die Biotechnologie ist ein stark selektiver Markt, in dem klinische Daten, regulatorische Ereignisse, Finanzierungskraft und kommerzielles Potenzial sehr unterschiedliche Unternehmensentwicklungen auslösen können. „Eine fundierte Aktienauswahl verlangt medizinisches Verständnis, Erfahrung mit Studiendesigns und eine realistische Einschätzung des kommerziellen Potenzials. Gerade weil Biotechnologie stark ereignisgetrieben ist, reicht es aus unserer Sicht nicht aus, nur den Sektor zu kaufen. Entscheidend ist, welche Unternehmen über robuste Daten, medizinischen Mehrwert und wirtschaftliches Potenzial verfügen“, sagt Thomas Vorlicky. Der wissenschaftsbasierte Investmentansatz von Medical Strategy setzt an dieser Stelle an. Das Portfolio-Management vereint medizinisch-wissenschaftliche Expertise mit der Begleitung durch einen unabhängigen wissenschaftlichen Beirat. Dadurch sollen klinische Wahrscheinlichkeiten, Marktineffizienzen und langfristige Wertpotenziale differenzierter beurteilt werden.

 

Dieser Gastbeitrag ist in einer Kooperation mit CAPinside erschienen.

 

Dies ist eine Marketingmitteilung. Bitte lesen Sie den Prospekt und das Basisinformationsblatt, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können steigen oder fallen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den investierten Betrag möglicherweise nicht vollständig zurück. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.